Anton der Pilot

Der Wecker geht ab um 7 Uhr morgen… ein mueder Blick auf die Uhr bestaetigt: Freizeitstress aufstehen, Kaffee machen, die lange Unterhose anziehen und meinem russischen Armeejeep (was heisst UAZ nochmals?), warm laufen lassen (der schluckt beim Start mehr als ein Panzer, kann ich euch sagen). Dann Kaffee trinken, die Ausruestung nochmals kontrollieren, meine guards mit “sob bachaj” (guten Morgen) heranholen und die Sachen im Auto verstauen.die-ausruestung.jpg

Gegen acht Uhr kommen dann die Leute zusammen. Afghanen und manch mutiger Auslaender… es ist ein schoener Morgen. Noch ein Auto mit Ausruestung beladen, wird kurz diskutiert wie das weitere Vorgehen sei: Ok, Treffpunkt Tankstelle, um den ein oder anderen abzuholen und noch etwas einzukaufen. Bevor es losgeht, noch Startschwierigkeiten des anderen Autos ueberwinden (mein UAZ hat keinen muckx, schnurrt wie am Schnuerchen). An der Tankstelle vollgetankt, schnell auf die Strasse, Geldwechseln beim naechsten Roshan Verkaufer (Roshan = Feuer, Licht; ist eine afghan Telefoncompany; bekommt gerade Konkurrenz aus Dubai, aber das ist eine andere Geschichte). Geldwechsel auf der Strasse, weil ich dem Tankwart den Preisverfall des Dollars nicht ganz abnahm, aber ihn auch auf der Strasse feststellte (wenn auch nicht so deutlich).

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Dann weiter, kurz mit den anderen telefoniert; ein amerkinascher Militaerkonvoi (oder war es doch ein europaeischer?) an uns vorbeigezogen mit energisch winkenden Soldaten aus dem Hochsitz: uebersetzt hiess das, nicht zu nahe und auf die Seite mit dir! Bitte ist nicht ueblich in dem Kontext:) Wurscht, man ist ja dran gewoehnt, wenn die Schnellfeuergewehre in deine Richtung zeigen. Wo war nochmal die Abzweigung… ach ja da, und weiter ueber Stock und Stein, nein fuer hiessige Verhaeltnisse ein gute Strasse; nur 2 Schlagloecher alle 10 meter. Leider durch die Startprobleme des anderen Autos im Zeitplan etwas hinter her; viele LKWs auf der Strasse, ein Ueberholen aufgrund des Verkehr und der Beschleunigungskraft des UAZ schwierig.test-the-wind.jpg

Nichtsdestotrotz endlich aus der Stadt drausen…. der Smog der Dieseloefen und Holzbuchari (oefen) hinter uns. Dann noch die Polizeikontrolle vor uns, kein Problem nur auf der Rueckfahrt ein unglaeubig schauender Polizist oeffnet die Tuer, aber mein laechelndes “Man Diplomat hastom” (Ich bin Diplomat) ueberzeugte ihn; er lies uns ziehen :) Dann noch die Nummer vom Malek (Buergermeister)/Commander herausgesucht und uns angekuendigt. Dies um das Problem, der letzten Wochen zu vermeiden: der commander rief die dt Truppen (ca 8 Mann hoch) zuhilfe; Er koenne nicht fuer unsere Sicherheit garantieren (this is Afghanistan; nothing is safe!!!) jedenfalls kamen sie, wir redeten; einigten uns darauf, ein paar Wochen Pause zu machen und nicht an dem Ort zu fahren (ist auch eigentlich nicht ratsam: Gewohnheiten!!!). Nach dieser Ruhephase waren wir wieder drausen; am Abend bekam ich den Anruf des dt Oberleutnant: Ob wir denn des Wahnsinns waeren; Autoritaet untergraben; ist schon auf Kommandeursebene!

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Also diese Woche schon vorher angekuendigt beim commander, um eine weitere Note verbale (man lernt nie aus im Diplomatengebrauch) von ISAF an die Delegation zu vermeiden; ich glaub ja nicht dass sie kommt, aber ihren Inhalt wuerd ich mit Interesse lesen:) Ausserdem glaub ich nicht, dass meine Hierarchie darauf empfindlich reagiert. Mit anderen Worten, sie wissen von unserem Treiben. Wie dem auch sei; erfolgreicher Anruf, alles in Butter ISAF kann heute zu hause bleiben. Vor dem Ziel noch ein Kriterium, ein kleines Schlammloch! Seit ich eine Woche zuvor (nicht an der Stelle, aber immerhin) 4 1/2 h stecken blieb bin ich vorsichtig! Sowas merkt man sich. Aber diese Woche alles kein Problem. Der Berg ist da; der Morgensport ihn zu Fuss zu erklimmen, man geniesst es drausen zu sein.

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Die Blicke richten sich auf einen; die Ausruestung hergerichtet; die Leinen ueberprueft, der Sitz angelegt; das Herz pocht, die Spannung steigt; Sitz und Schirm verbinden; immer nach dem selben Muster, damit man sich die Handgriffe angewoehnt und nix vergisst! Die Anweisungen der Freunde schon nicht mehr ganz mitbekommend, die Vorbereitungen zum Start abschliessen! So, jetzt gibt es kein zueruck mehr ausser die Sachen wieder abzulegen und nach hause zu fahren; der Wind ist leider etwas launenhaft und ohne Wind geht der Start nicht; Dann das Zeichen, ein zwei Schritte nach vorne Oberkoerper in Vorlage bis der Widerstand kommt; der Schirm erhebt sich hinter einen, bis er ueber einen ist; dann Leinen losgelassen und weiter rennen; geht sich das noch aus vor dem grossen Felsen? (hatte schon viele Startabrueche muss ich sagen; besser feig als gebrochenen Fuss!) Ja, es geht sich aus; und jetzt wo ein paar Meter vom Boden kommt er: Der Schrei der Befreiung; der Schrei des hinter sich gelassenen Schattens!afghanischer-judomeister.jpg

Das Zischen der Luft am Ohr betrachtet man den Schirm ober einen; Gewichtsverlagerungen die Richtung. Die Landung noch etwas unbeholfen; am gut gepolsterten Sitz kurz aufsetzen und dann den restlichen Schwung ausnutzen und sich wieder auf 2 Beine hiefen lassen. Wieder ein Schrei der Befreiung; des Stolzes ob des Geschafften; Enspannung macht sich breit; wieder einen Woche hinter Schreibtisch möglich!

Inshala Anton

Eine Reaktion zu “Anton der Pilot”

  1. hugo420

    …ah die WaHrheit..

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